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Wolf Farkas

by Joerg Reichardt

Wolf Farkas, author, journalist, editor, houseman, father of four children, bohemian, wedding DJ, former publisher. That’s all correct. But at the same time there is something unseen, something undefined.

Wolf Farkas

Einen kurze Begegnung im Sommer 2020 / A short encounter in the summer 2020

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Ich bin nun gar kein Gastarbeiterkind. Und auch als Deutscher habe ich mich nie richtig gefühlt. Never. Ever. Als würde ich zwischen zwei Stühlen sitzen – nur dass es diese Stühle gar nicht gibt. / I’m not a child of foreign workers. And even as a German I never felt right. Never. Ever. As if I would sit between two chairs – only that these chairs do not exist.

WolfFarkas

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Ich bin ein Sammler von Anfängen / I'm a collector of beginnings.

Working at home

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Writing on the balkony

Ich werde alles tun was sie von mir verlangen. / I'll do anything you ask me to.

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Wolf Farkas

Poesie ist nur ein Zeugnis des Lebens. Wenn dein Leben gut brennt, ist die Poesie nur die Asche. / Poetry is just the evidence of life. If your life is burning well, poetry is just the ash.

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Verbundenheit (mit den anderen, die schreiben, geschrieben haben, schreiben werden – sich einschreiben in die verborgene Geschichte der Aufzeichnungen des Lebens) / Solidarity (with the others who write, have written, will write – inscribe themselves in the hidden history of the records of life)

Wolf und Juno

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Monsieur Farkas 

Monsieur Farkas ist das unabhängiges Redaktion-sbüro in Berlin-Kreuzberg von Wolf Farkas.

Zum Netzwerk des Büros gehören Zeitungs-redaktionen, Buchverlage, ambitionierte Agenturen, kulturelle und gesellschaftspolitische Projekte, Autorinnen & Autoren sowie Künstlerinnen & Künstler aller Couleur.

podcast: Conversation #01

SECOND MOVEMENT. Der Tod ist nur eine Zwischenüberschrift

Wolfgang Farkas

Mir selbst ging es auch schon mal schlechter. Migräne, kein Geld. Notizbücher randvoll mit Berechnungen über Aussichten auf eine bessere Zukunft, die sich als falsch erweisen sollten.

Und hatte, ein Leben lang, Narzisst der ich war und Postnarzisst, der ich wohl oder übel noch bin, eine gottverdammte Angst vor dem Tod. 

Aber diese ist weg. Mit anderen Worten: Sie ist nicht mehr da. Die Angst ist dahin. 

Das habe ich keinem Geringeren als Sokrates zu verdanken, der gerade einmal rund siebzig Generationen vor uns existierte, seitdem vermutlich tot ist, es sich zuvor aber nicht nehmen ließ, von der Nichtigkeit des Todes zu sprechen. 

Der brutal banale und erstaunlich gewinnbringende Gedanke von Sokrates, den ich eigentlich längst kannte und der davon handelt, dass der Mensch mit dem Tod nichts zu tun habe – er hat in einem einzigen Moment all mein Dasein verändert. 

Die ebenfalls bereits gestorbene Edith Flusser hat sich, als sie über siebzig war, ganz ähnlich geäußert. Der Normalzustand, sagte sie, sei nicht, wie manche meinten, das Leben; sondern der Tod. Das Nichtsein. Doch wer die Zeit vor der eigenen Geburt nicht fürchte, müsse auch die Zeit nach dem eigenen Tod nicht fürchten. Es sei das gleiche. Es nehme sich nichts. 

In die allgegenwärtige Nichtexistenz also ragt das Leben hinein, deines und meines, für kurze Zeit. Nicht mehr, nicht weniger. Daraus müsste sich mehr machen lassen als aus Beton oder Beten. 

Vor wenigen Monaten, es war etwa zu der Zeit, als die reizende Lu-Lu begann, mich aus einer Laune distanzierter Zuneigung Monsieur Farkas zu nennen, ist nun dieser altbekannte und auch mir vertraute Gedanke vom Normalzustand der Nichtexistenz in mir erneut aufgestiegen, hat sich dann aber überraschend wie eine Tablette aufgelöst und muss seitdem nicht mehr gedacht werden, sondern wirkt einfach. 

wf

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